Elgar und »The Dream of Gerontius«

Interview Edward Elgar

Ein Gespräch mit Barbara Glücksmann, Ileana Booch-Gunescu und Christoph Lauer sowie Stephen Fitzpatrick über den britischen Komponisten Edward Elgar und sein Werk. 

Donnerstag, der 16. Juni 2016, am Tag des EM-Vorrundenspiels England gegen Wales (das die Engländer zwar in letzter Minute gewannen, dann aber im Achtelfinale gegen Außenseiter Island die Segel streichen mussten, während es die Waliser auf den Flügeln der Begeisterung später noch bis ins Halbfinale tragen sollte). Dazu ein passender Ort, der »Union Jack« in der Schlüterstraße, unweit des Schiller Theaters, einer jener urigen britischen Pubs, von denen es in Berlin nicht mehr als eine Handvoll gibt. Auf einen Black Tea, aber auch ein Pint Bier und ein Wasser haben wir uns mit drei Kollegen getroffen, mit der Violinistin Barbara Glücksmann aus der Staatskapelle Berlin sowie mit Ileana Booch-Gunescu und Christoph Lauer aus dem Staatsopernchor. Und da Edward Elgar und sein im September 2016 zur Aufführung kommendes großes Oratorium »The Dream of Gerontius« das alles beherrschende Thema war, wollten wir nicht auf die Stimme des einzigen Briten der Staatskapelle verzichten. Deshalb haben wir uns mit dem Solo-Harfenisten Stephen Fitzpatrick separat zusammengefunden und ihn als »Sidekick« in unser Gespräch eingebaut. Im Übrigen kommt er aus Wales, aber das nur am Rande. Im Fokus steht indes ein waschechter Engländer, Sir Edward, den es aus der Gegend um Worcester nach Birmingham, London und anderswohin geführt hat, dessen Musik aber auf der ganzen Welt zu Hause ist.

Blog Edward Elgar ist ja ein Komponist, der im Gegensatz zu Mozart, Beethoven, Wagner und anderen nicht annähernd so häufig gespielt wird. Wann und bei welcher Gelegenheit seid ihr denn zum ersten Mal mit Elgars Musik in Berührung gekommen?

Barbara Glücksmann Ich war damals mit zwölf Jahren ganz frisch im Deutschen Musikschulorchester (der heutigen Deutschen Streicherphilharmonie), das ist ein Streichorchester, das per Probespiel zusammengestellt wird. Das Stück, das auf dem Programm stand, war »Introduction and Allegro for Strings« von Elgar — und das war so toll! Später kamen dann natürlich die Solokonzerte und Sinfonien mit der Staatskapelle dazu, CD-Aufnahmen, Konzerte …

Ileana Booch-Gunescu Ich muss gestehen, dass mir Elgars Musik immer noch ein bisschen fremd ist. Als Rumänin bin ich mit Elgar eigentlich nur im Musikgeschichtsunterricht in Kontakt gekommen. »The Dream of Gerontius« ist praktisch das erste Stück von Elgar, bei dem ich direkt mitwirke.

Christoph Lauer Ich weiß es gar nicht mehr genau, es war schon ziemlich früh, noch zu meiner Schulzeit. Ich habe Schallplatten gesammelt und eigentlich alles inhaliert, was mit Klassik zu tun hatte. Ich hing nachts am Radio und habe Konzerte auf Kassetten aufgezeichnet, die ich dann immer von morgens bis abends gehört habe. Irgendwann habe ich das Cellokonzert von Elgar im Fernsehen gesehen, mit Jacqueline du Pré. Das hat mich total elektrisiert. Dann legte ich mir das Cellokonzert auf Schallplatte zu, zusammen mit den »Sea Pictures«, obwohl ich damals noch gar keinen Schallplattenspieler besaß. Als dann irgendwann der CD-Boom aufkam, habe ich mir die Aufnahme dann noch einmal gekauft — eben auf CD — und die gab es dann gekoppelt mit »The Dream of Gerontius«. Irgendwie habe ich mich dann immer weiter durch die englische Musik dieser Zeit »durchgefressen«, das fand ich sehr spannend.

Blog Ist das eine völlig fremde Welt, die man mit Elgars Musik betritt, oder ist sie vergleichbar mit bestimmten Werken aus dem 19. oder frühen 20. Jahrhundert?

Christoph Lauer Es ist natürlich eine Musik, die für uns nicht unbedingt gängiges Repertoire ist. Die musikalische Sprache ist ungewohnt. Der »Gerontius« ist vor allen Dingen sehr komplex. Bei Elgar muss man sich beim Studium der Partitur immer erst zurechtlegen, wer wo was singt. Insofern ist es eine Musik, mit der wir uns erst mal ein bisschen vertraut machen mussten.

Ileana Booch-Gunescu Mein erstes Gefühl war, dass die Musik sehr viel Ähnlichkeit mit amerikanischen Musicals besitzt. Dabei ist sie nicht so einfach zu singen. Ich bin Mezzosopran, also praktisch erster Alt. Die Partie ist zum Teil sehr tief, sehr stark, so dass man viel Stimmkraft geben muss, dann ist sie wieder sehr hoch. Es gibt eine große Spannweite, da muss man schon eine gute Technik mitbringen. Aber Elgars Musik zu singen macht unheimlich viel Spaß, weil es fordert.

Blog Das Orchester hat ja gerade in den letzten Jahren sehr viel Elgar gespielt, zum Beispiel die beiden großen Sinfonien zu den diesjährigen FESTTAGEN. War das etwas sehr Besonderes, sich diesen Werken zu widmen? War das neben Bruckner, Mahler & Co. noch einmal ein neuer Kosmos, der sich da auftat?

Barbara Glücksmann Ja, aber ich habe das Gefühl, dass da alle paar Jahre ein neuer Kosmos auf uns zukommt. Wir hatten den Schönberg-Zyklus, wir haben Berg gespielt, wir haben Bruckner, Wagner alles in so kompakten Monaten und Jahren kennengelernt. Ich finde das ganz wunderbar. Bei Elgar waren wir zu Beginn schon skeptisch. Dann schauten wir in die Noten — und ja, diese Quinten und Quarten: Das ist nicht immer wirklich geigerisch, aber sehr pathetisch …

Ileana Booch-Gunescu Ja, pathetisch ist genau das richtige Wort!

Barbara Glücksmann … und wild und dann aber auch so unglaublich emotional. Ich höre mir die Stücke immer vor den ersten Proben an, um einen Überblick zu bekommen und ich konnte meine Stimme gar nicht verfolgen, weil alles so miteinander verflochten ist. Deshalb war vor der ersten Probe die Spannung recht hoch. Dann ist es aber wie immer mit Herrn Barenboim: Die Musik bekommt eine Struktur, ein Gesicht, man identifiziert sich auf emotionale Weise — und irgendwie mag man das Stück auf einmal. Dann kommt das erste Konzert und man ist überrascht, wie aufreibend das ist, eine Stunde lang dieses Werk zu spielen. Es ist wirklich körperlich anstrengend!

Christoph Lauer Eine Gefahr bei dieser Musik liegt nach meiner Ansicht darin, dass sie komplett auskomponiert ist, bis in das kleinste Detail, gerade auch hinsichtlich der Dynamik. Wenn man da beginnt, zu viel zu machen, kann die Musik leicht kippen und kitschig werden. Andererseits ist es natürlich toll, Elgars musikalischer Handschrift nachzugehen und die dynamischen Vorschriften ernst zu nehmen. Manchmal ist es irritierend, alle zwei Noten neue Angaben zur Dynamik zu sehen. Aber es ist alles so eng miteinander verwoben, dass auf einmal eine richtige Klangstruktur entsteht.

Blog Der »Gerontius« ist ja ein Werk mit mehreren Chören, die in unterschiedlichen Funktionen agieren. Fühlt sich das auch beim Singen szenisch an? Schlüpft man wirklich in eine Rolle?

Ileana Booch-Gunescu Ja, manchmal denke ich, so wie unser Chordirektor sagt, dass jetzt die Amneris-Stelle aus Verdis »Aida« kommt und man bitte auch so singen soll, also mit Pathos. Und dann gibt es Stellen, die sehr lyrisch und im Piano gehalten sind.

Christoph Lauer Ich glaube, dass es eine Musik ist, mit der man sich nach und nach vertraut machen muss. Wenn man sie zum ersten Mal hört, wird man von ihr erschlagen …

Blog … womöglich auch aufgrund ihrer Überkomplexität und ihrer Überinformation …

Christoph Lauer … aber je mehr man sich mit ihr beschäftigt, so entdeckt man plötzlich neue Seiten an ihr. Ein wenig operntheatralisches Denken tut sicher gut. Uns fällt es relativ leicht, dieses aufzuspüren, weil wir es eben aus der Opernliteratur gewohnt sind. Ich denke, man braucht so etwas schon, um eine gewisse Dramatik entwickeln zu können.

Stephen Fitzpatrick meint dazu Als Harfenist kann ich bei Elgar eigentlich gar nicht klagen: Im Gegensatz zu vielen anderen Werken, z. B. von Verdi, wo man durchaus zwei bis drei Stunden dasitzt und nur ein paar Töne spielt, hat man hier ständig etwas zu tun. Die Harfe ist sehr präsent in Elgars Musik. Leider sind die »Enigma-Variationen« ohne eine Harfenstimme geschrieben, aber die beiden Sinfonien und »The Dream of Gerontius« sind mit Harfe von Anfang bis Ende, man spielt nahezu die ganze Zeit. Und es ist natürlich schön, wenn man das Gefühl hat, dass man wirklich beteiligt ist und etwas zu sagen hat.

Ileana Booch-Gunescu, Christoph Lauer und Barbara Glücksmann

Ileana Booch-Gunescu, Christoph Lauer und Barbara Glücksmann: Drei Stimmen für Sir Edward

Blog Freut ihr euch schon auf die Aufführungen?

Ileana Booch-Gunescu Ja, also ich schon. Es wird etwas Grandioses werden.

Christoph Lauer Das ist schon eine große Herausforderung und man muss schon die richtigen Leute beieinander haben, allein wenn man an die höchst anspruchsvolle Gerontius-Partie denkt, die eine stimmliche »Tour de force« ist.

Stephen Fitzpatrick meint dazu Es ist für mich sehr attraktiv, bei diesem Konzert mit dabei sein zu dürfen. Es ist wirklich lange her, seit ich das Stück zum letzten Mal gespielt habe. Es ist auch ein Stück Heimat und ich bin wirklich gespannt darauf, was Maestro Barenboim daraus macht und wie gut wir die Musik von Elgar präsentieren können.

Blog Es heißt immer: Elgar, das ist »der« britische Komponist, der erste nach Henry Purcell mit einem wirklich großen Namen. Vor Elgar wurde England immer reichlich abschätzig als »das Land ohne Musik« bezeichnet. Ist an dieser Charakterisierung überhaupt irgendetwas dran? Empfindet ihr Elgars Musik als »very british« oder könnte das auch ein Österreicher komponiert haben, ein Franzose oder ein Italiener?

Ileana Booch-Gunescu Nein, er ist schon sehr britisch. Italienisch auf keinen Fall! Die Musik besitzt Pathos, aber keinen italienischen Pathos.

Barbara Glücksmann Wir haben ja in vielen Stücken europäischer Komponisten Pathos, das hat sicher nichts mit dem Land zu tun, sondern eher mit der individuellen Tonsprache. Ich habe noch nie so genau darüber nachgedacht, aber gerade was z. B. die »Enigma-Variationen« betrifft, da sind die einzelnen Variationen in ihrem Charakter so verschieden.

Christoph Lauer Ich denke, dieses Image rührt auch daher, dass Elgar in seinen festlichen »Pomp and Circumstance«Märschen ja auch wirklich pompös daher kommt. Das sind ja inoffizielle britische Nationalhymnen geworden. Kein Wunder, dass das zu einem gewissen Nationalnimbus beiträgt. Viele andere Kompositionen von ihm, wie z. B. das Violinkonzert, gehen ja in eine völlig andere Richtung. Vielleicht sehen die Briten es auch selbst so: »Unser Elgar« und »unser »Pomp and Circumstance««, so dass es vielleicht sogar vermessen scheinen mag, wenn man auf diesen Nationalkomponisten zugreift und ihn im Ausland aufführen will.

Stephen Fitzpatrick meint dazu Wir verbinden Elgar mit unserem Patriotismus. Es gibt wenige englische Komponisten, die so berühmt sind wie Komponisten aus Deutschland, Österreich oder Italien. Ich glaube, Elgar steht in England im Mittelpunkt, weil er nach langer Zeit der Erste war, der wieder musikalisch etwas wirklich Wichtiges zu sagen hatte und damit viel in Bewegung gebracht hat.

Blog Die Staatskapelle Berlin hat erst vor kurzer Zeit, im Frühjahr 2015, als erstes ausländisches Orchester Musik von Elgar in London gespielt, oder?

Barbara Glücksmann Ja! Wir waren deswegen alle ein wenig nervös, aber das englische Publikum war total begeistert. Daniel Barenboim hat dann auch eine Auszeichnung von der Elgar-Gesellschaft bekommen für sein besonderes Engagement für den Komponisten. Es war für uns alle einfach toll, als deutsches Orchester für unsere Interpretation so viel Resonanz zu finden.

Blog In den vergangenen Jahren habt ihr ja auch so einige CD-Aufnahmen gemacht: beide Sinfonien und das Violoncellokonzert mit Alisa Weilerstein als Solistin. War das nicht eine anstrengende Sache, dieses neu erarbeitete Repertoire — immerhin von rund einer Stunde Spieldauer pro Werk — nicht nur im Konzert zu spielen, sondern eben auch Schritt für Schritt auf den Tonträger zu bannen?

Barbara Glücksmann Wir bauen das ja immer nach und nach auf. Das erste Konzert zum Beispiel ist unwahrscheinlich anstrengend, weil das Stück zum ersten Mal vor Publikum durchgespielt wird, aber bei den Aufnahmen ist meistens alles schon routiniert und hat sich gesetzt — im positiven Sinne.

Stephen Fitzpatrick meint dazu Die beiden Sinfonien, »The Dream of Gerontius«, das Cellokonzert, die »Enigma-Variationen« … das alles sind absolute Meisterwerke. Es gibt diesen traumhaften langsamen Satz in der 1. Sinfonie, und ich bekomme immer eine Gänsehaut, wenn wir das spielen. Was Daniel Barenboim daraus macht, das habe ich zu Hause in Großbritannien nie erlebt, wie dieser Zauber da entsteht. Man merkt, dass Barenboim auch in England gelebt hat und diese Musik sehr genau kennt und sie voll und ganz verinnerlicht hat.

Blog Um noch einmal auf »The Dream of Gerontius« zurückzukommen — manchmal kann man ja den Eindruck gewinnen, als ob sich Elgar an Mahler orientiert habe und eine Sinfonie mit Gesangsstimmen schreiben wollte. Seht ihr das auch so? Oder empfindet ihr den »Gerontius« eher als ein klassisches Oratorium mit Solisten, Chor und Orchester?

Christoph Lauer Das ist eine gute Frage. Gattungstechnisch kann man das Werk tatsächlich nicht klar einordnen, trotzdem hat das Stück natürlich sehr viele oratorische Züge. »The Dream of Gerontius« nimmt schon eine Sonderstellung ein. Wenn man den Inhalt betrachtet, kann man auch Ähnlichkeiten zu einer Requiem-Komposition feststellen. Die Geschichte, die im Libretto erzählt wird, ist letztlich das, was im katholischen Requiem-Ritus dem »Dies Irae« entsprechen würde. Nur dass es bei Elgar über eine Stunde dauert: diese Agonie, die Angst des Menschen vor dem, was unmittelbar nach dem Tod eintritt, was mit der Seele passiert … Das arbeitet Elgar auf, da gibt es dann Assoziationen zum Verdi-Requiem, aber auch zu Mahler. Elgar verwendet da viele sinfonische Elemente, aber auch viel Pathos, viel Oper, da fließt einfach sehr viel zusammen. Das macht vielleicht auch die Komplexität dieses Stückes letztlich aus.

Blog Spielt es eine Rolle, dass es ein religiöses Werk ist, das man wie selbstverständlich im Konzertsaal, in der Philharmonie, und nicht in einem sakralen Raum aufführt? Ist das ein Problem?

Christoph Lauer Ich hätte eher umgekehrt ein Problem damit, ein solches Werk in einer großen Kirche vorzustellen. Wenn ich mir den »Gerontius« jetzt im Berliner Dom denke …

Ileana Booch-Gunescu Das Echo wäre in einer Kirche zu groß. Das Stück ist für sich genommen schon grandios genug, das muss man nicht weiter überhöhen.

Christoph Lauer Da hätte ich doch Angst, dass da ein paar Mosaiksteinchen aus der Kuppel fallen.

Blog Selbst die Uraufführung fand in einem nicht-sakralen Raum statt, beim Birmingham ChorusFestival. Teil der speziellen englischen Chortradition war (und ist) ja eine besondere Vorliebe für große chorsinfonische Werke. Deshalb wurden derartige Stücke immer wieder in Auftrag gegeben, gleich mehrfach auch bei Elgar, der darin sehr erfolgreich war. Und »The Dream of Gerontius« ist das populärste dieser Oratorien geworden. Populär aber eher im reduzierten Sinne, weil es ja in Mitteleuropa relativ selten gespielt wird.

Christoph Lauer Ja, im englischsprachigen Raum ist es sehr beliebt, aber auf dem Kontinent wird das Stück eher selten zu Gehör gebracht.

Blog Einerseits wird Elgar immer als Traditionalist kritisiert. Andererseits ist gerade in England die Meinung verbreitet, dass Elgar eigentlich ein moderner Komponist sei, vergleichbar mit Schönberg oder Berg. Wohin tendiert eure Einschätzung?

Stephen Fitzpatrick meint dazu Wir haben Elgar sehr gerne in England gespielt, da sind alle stolz auf diesen Komponisten. Jeder hat einen Bezug zu der Musik. Hier in Deutschland scheint es eine ungewöhnliche Tonsprache zu sein, viele Leute mögen diese Musik eigentlich nicht besonders: »Es ist so lang, es ist so laut, es ist teilweise sehr pompös.« Das stimmt jedoch nicht unbedingt.

Christoph Lauer Ob er jetzt wirklich progressiv gewesen ist, kann ich nicht sagen. Ich glaube eigentlich weniger, im Vergleich etwa zu Strauss oder Mahler, die ja derselben Generation wie Elgar angehören. Solche Auflösungstendenzen in der tonalen Sprache … so weit ist Elgar dann doch nicht gegangen. Allerdings ist er ganz gewiss der »Vater« der neueren englischen Musik, von dem etwa auch ein Komponist wie Benjamin Britten sehr profitieren konnte.

Barbara Glücksmann Das hat bestimmt auch etwas mit dem Umfeld zu tun, wie man beeinflusst wird und was man erlebt. Wenn man zum Beispiel nicht viele Kollegen hat, mit denen man sich auf Augenhöhe austauschen kann. Angesichts der konkreten Umstände ist Elgars Schaffen vielleicht schon fortschrittlich zu nennen, wie z. B. auch anhand der Entwicklung von der 1. zur 2. Sinfonie zu sehen ist.

Ileana Booch-Gunescu, Barbara Glücksmann und Christoph Lauer

Auf einen Black Tea und einen Elgar-Talk im »Union Jack«

Blog Immerhin war ja Elgar weitgehend Autodidakt und kam unmittelbar aus der Musikpraxis.

Christoph Lauer Umso faszinierender finde ich gerade vor dem Hintergrund, dass er die musikalischen Strömungen seiner Zeit sehr bewusst wahrgenommen, teilweise aufgegriffen und dann zu etwas ganz Eigenständigem verarbeitet hat. Das finde ich schon großartig. Elgar hat eine sehr individuelle, enorm vielseitige musikalische Sprache entwickelt. Einige Sachen sind wirklich bewundernswert: So hat er etwa ein untrügliches Gefühl für eine hymnische Sinfonik gehabt, dafür, wie man musikalische Bögen baut. Das hat die Leute damals mit Sicherheit begeistert und fasziniert uns bis heute.

Ileana Booch-Gunescu Ich glaube, er hat einfach nur wirklich großartige Musik gemacht, die echtes Format und Tiefe besitzt.

 

Dieses Interview findet ihr auch in »Staatsoper — Das Magazin No. 5«
Das Interview führten Paula Schlüter und Detlef Giese

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