Preußens Hofmusik: Bachs »Markuspassion«

Preußens Hofmusik - Foto: Monika Rittershaus

Das Ensemble Preußens Hofmusik wird am 13. März die rekonstruierte Fassung der lediglich in Bruchstücken überlieferten »Markuspassion« Johann Sebastian Bachs zur Aufführung bringen —  mit vier Vokalsolisten, einem Sprecher für die Evangeliumsworte und einem 14-köpfigen Kammerorchester mit Musikerinnen und Musikern der Staatskapelle Berlin. Dramaturg Roman Reeger hat sich diesem außergewöhnlichen, nur selten zu hörenden, tiefsinnigen Werk gewidmet.

Denkt man an die großen oratorischen Passionen Johann Sebastian Bachs, so kommen einem sofort die epochale »Matthäuspassion« sowie die »Johannespassion« in den Sinn. Die» Lukaspassion« BWV 246, die Bach entweder 1730 oder 1735 als Kantor und Musikdirektor in Leipzig aufgeführt haben soll, gilt heute als nicht authentisch, da die einzige erhaltene Abschrift, angefertigt durch den Sohn Carl Philipp Emmanuel Bach, zahlreiche hinzukomponierte Teile enthält, die nicht zuletzt auch grundlegende Spekulationen über eine mögliche »fremde« Autorenschaft beförderten.

Auch die weniger bekannte »Markuspassion« BWV 247, von der kein Notenmaterial erhalten ist, beschäftigt die Musikforschung bis heute. Als wichtigstes Zeugnis dieses Werkes, das vermutlich am Karfreitag 1731 in Leipzig uraufgeführt wurde dient das vollkommen erhalten gebliebene Libretto der »Passionsmusik nach dem Evangelisten Marco«, das von Bachs wichtigstem Textdichter Christian Friedrich Henrici, der seine Schriften unter dem Pseudonym Picander veröffentlichte, verfasst wurde. Erste Rekonstruktionsversuche stützen sich auf die Annahme, dass der Markuspassion das von Bach häufig angewandte Parodieverfahren zugrunde liegt, bei welchem der Komponist dasselbe musikalische Material für unterschiedliche Texte verwendete. 1727 hatte Bach zum Tode der polnischen Königin Eberhardine seine Trauerode »Laß, Fürstin, laß noch einen Strahl« BWV 198 komponiert, aus der er zahlreiche Nummern, unter anderem den Introduktions- und Schlusschor sowie mehrere Arien, auch in der Markuspassion wiederverwendet haben dürfte. Zudem stammen weitere Arien aus den Kantaten »Widerstehe doch der Sünde« BWV 54 und »Herr Gott, Beherrscher aller Dinge« BWV 120a, wie Diethard Hellmann feststellte, der 1964 die erste rekonstruierte Fassung der Markuspassion vorlegte.

Allein die Arie »Angenehmes Mordgeschrey«, für die bisher kein passendes Vorbild gefunden wurde, und die Rezitative des Evangelisten konnten bis heute nicht auf diese Art und Weise rekonstruiert werden. Während Hellmann vorschlug, den Text an dieser Stelle einfach verlesen zu lassen, gab es in den darauffolgenden 50 Jahren immer zum Programm wieder unterschiedliche Ergänzungsversuche in Bezug auf die verlorenen musikalischen Abschnitte. Nicht selten wurde die Evangelistenpartie aus der Markuspassion Reinhard Keisers entnommen, die Bach 1726 in Leipzig aufführte. Als besonders kühner Versuch einer Rekonstruktion ist die Fassung Ton Koopmans zu bezeichnen, der sich nicht auf die bisher gewonnenen Erkenntnisse berief, sondern andere Vorlagen aus dem Schaffen Bachs bis 1731 heranzog und auch die Trauerode BWV 198 als Quelle ignorierte. In der Dramaturgie des Beginns – Chor »Geh, Jesu, geh zu deiner Pein!«, Bethanien-Szene und Abendmahl – zeigt sich eine strukturelle Verwandtschaft der Markuspassion zur Matthäuspassion: Während am Schluss des ersten Teils der Choral »Ich will hier bei dir stehen« steht, markiert die Arie »Mein Tröster ist nicht mehr bei mir« den Beginn des zweiten Teils, der nach drei Chorälen zum Pilatus-Abschnitt überleitet. Hierauf der Bericht der Kreuzigung, an deren Ende die Arie »Welt und Himmel nehmt zu Ohren« steht. Analog zum Beginn beschließt ein Chor (»Bei deinem Grabund Leichenstein«) dieses Werk.

Trotz der bereits genannten inhaltlichen Parallelen unterscheidet sich die »Markuspassion« von der »Matthäuspassion« und ebenso von der »Johannespassion« vor allem in Bezug auf ihren deutlich geringeren Umfang (16 Choräle, sechs Arien und zwei Chöre) und bildet doch einen wichtigen Baustein im Schaffen Bachs während seiner Leipziger Zeit.

Ein Kommentar

  • ocelot
    schrieb am 13.07.2016 um 17:51 Uhr.

    Cool

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