Vertrauen und Phantasie

Auf einen Kaffee mit der Dramaturgie - Luci mie traditrici

Am 10. Juli feiert Salvatore Sciarrinos Kammeroper »Luci mie traditrici« in der Regie von Jürgen Flimm und unter der musikalischen Leitung von David Robert Coleman im Rahmen des INFEKTION! Festival für Neues Musiktheater Premiere im Schiller Theater.

Dramaturg Detlef Giese traf beide vorab und gab ihnen jeweils sieben Sätze an die Hand, die es zu vervollständigen galt …

Jürgen Flimm

Das Musiktheater Salvatore Sciarrinos ist mir besonders nahe, weil …
… er in der Tradition von mir hoch geschätzten Komponisten der modernen Musik, wie z. B. Bernd Alois Zimmermann und Luigi Nono, steht.

Bei Sciarrino empfiehlt es sich, in besonderer Weise auf die Musik zu hören und die klangliche Atmosphäre zu beachten, da …
… seine Klänge wie aus dem Nichts kommen.

»Luci mie traditrici« inszeniere ich, weil …
… es eine neue Musik ist, aber eine alte Story: die Rache des gehörnten Ehemannes.

Eine zeitlose Geschichte von Liebe, Eifersucht und Tod zu erzählen ist einfach und schwierig zugleich, da …
… hinter jeder Ecke einer solchen Geschichte das Klischee lauert.

Die besondere Qualität eines musikalischen Kammerspiels liegt für mich in …
… der Konzentration von Gesang und Geste.

Um mit den Sängerdarstellern bei einem solchen Stück produktiv arbeiten zu können, benötigt man …
… Vertrauen und Phantasie.

»Luci mie traditrici« ist ein Glücksfall für einen Regisseur, weil …
… einem solch zarten Stück eine solch gewalttätige Handlung innewohnt: ein wunderbarer Widerspruch für einen Regisseur.

 

 

David Robert Coleman

Mit der Musik Salvatore Sciarrinos bin ich zum ersten Mal in Berührung gekommen, als ich …
… als frecher 28-jähriger Dirigent vor dem Radio-Sinfonieorchester Frankfurt stand und ein Stück namens »Autoritratto nella notte« probierte.

Das Individuelle von Sciarrinos Ästhetik und Stil liegt meiner Ansicht nach in …
… einer leisen und zugleich sinnlichen »Nachtmusik«, die an Mahler oder Bartók erinnert.

Für mich ist Sciarrino am ehesten vergleichbar mit …
… Anton Webern (klanglich gesehen), ansonsten auch mit Giacinto Scelsi, Morton Feldman und – Carlo Gesualdo.

Die sehr speziellen Sing- und Spieltechniken erfordern …
… eine intensive Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Part, insbesondere für die Flötisten.

Als Dirigent einer Sciarrino-Oper muss man mit den Sängern und dem Orchester in besonderer Weise arbeiten, da …
… es verdammt schwierig ist, die Partien auswendig zu singen, da sich die rhythmischen Pattern nie genau wiederholen.

Musikalisch faszinieren mich an »Luci mie traditrici« …
… die feingeschliffenen, detaillierten Melismen, die eine Stille umrahmen.

Die Crime-Story von »Luci mie traditrici« finde ich spannend, weil …
… die Figuren so stilisiert erscheinen, wie Objekte in einem Raum. Und dieses Gefangensein im Bild zwingt den Narziss Il Malaspina zu seiner paranoiden Tat.

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