Vom Film Noir bis Ellis Island – Kostümbildnerin Ursula Kudrna über ihre Entwürfe zu »Manon Lescaut«

Manon Lescaut © Matthias Baus

Für Jürgen Flimms Hollywood-Inszenierung der »Manon Lescaut« ließ sich Kostümbildnerin Ursula Kudrna unter anderem von der Stummfilmära der 1920er inspirieren. Welche großen Hollywood-Produktionen sie hierbei als Ausgangspunkt für ihre Arbeit nahm und was das Besondere an den Kostümen bei »Manon« ist, verriet uns die Wienerin im Interview.

Wie gehst du beim Entwerfen von Kostümen vor? Was sind die Schritte von der Idee bis zum fertigen Kostüm?

Figurine zu »Manon Lescaut« von Ursula Kudrna

Figurine zu »Manon Lescaut« von Ursula Kudrna

Das schöne an meiner Arbeit ist, dass jede Produktion unterschiedlich ist. Daher gibt es keinen konkreten Weg, den ich immer wieder beim Entwurf einschlage. Wichtig ist natürlich immer eine gute Recherche im Vorfeld, dann lese ich das Libretto und spreche mit dem Regisseur über das Konzept. Dadurch ergeben sich die ersten Ideen und Bilder. Danach geht die Recherche weiter. Welche Zeit, welche Stimmung, welche Farben? So entwickelt sich dann der Entwurf und wird immer konkreter. Nach der Präsentation beginnt die Zusammenarbeit mit den Werkstätten, Gewandmeistern, Schneidern, Hut- und Schuhmachern. Ich suche Stoffe aus und gehe in den Fundus, neben der Optik ist auch das Haptische sehr wichtig. Die Schnitte werden besprochen, Sachen angefertigt und es gibt die Anproben, die im Vorfeld auch auf Puppen stattfinden. Hierbei entstehen im Prozess ebenfalls neue Ideen. Mit jeder Probe konkretisiert sich alles, bis dann zur Premiere die fertigen Kostüme auf der Bühne sind.

Wo findet du Inspiration?
Auch wenn es abgedroschen klingt, aber Inspiration finde ich mit offenen Augen fast überall. Bei der Recherche finde ich Sachen, die nicht unbedingt mit der aktuellen Produktion zu tun haben, die ich aber abspeichere und wieder darauf zurückkomme. Ich gehe in Buchhandlungen und schaue Bildbände, die auch nicht unbedingt mit Kunst und Kultur zu tun haben müssen. Magazine, Bücher und Druckmedien sind immer inspierend, ebenso wie Filme und Dokumentationen.

Wie würdest du die Kostüme zu »Manon« beschreiben?
Die Kostüme sind poetisch und individuell zum jeweiligen Charakter. Sie haben viele Details und es gibt viel zu entdecken. Sie wirken teilweise wie aus Filmen gerissen.

Die Stummfilmära der 1920er diente hier als Vorlage, aber auch comichafte Figuren, wie beispielsweise die Spione, die an Nick Knatterton erinnern, sind dabei.

Manon Lescaut © Matthias Baus

Was hat dich bei diesen Kostümen speziell inspiriert (z.B. konkrete Filme)?
Die Stummfilmära der 1920er erwähnte ich bereits, aber auch Film Noir, die großen Hollywood Produktionen der 1920er und der Sunset Boulevard zu dieser Zeit und Alfred Hitchcock gaben gute Impulse. Konkrete Filme haben mich natürlich auch inspiriert, so zum Beispiel »Das Kabinett des Dr. Caligari«, »Dr. Mabuse«, »Der Golem«, »Metropolis« und die Filme von Erich von Stroheim, aber auch »Alice im Wunderland«, »Der Zauberer von Oz« und sogar »Interview mit einem Vampir« spielten eine Rolle. Einzelene Personen oder Schauspieler hatten auch ihren Einfluss, wie Charlie Chaplin, Buster Keaton, Napoleon und viele andere. Auch Orte, wie Ellis Island trugen zur Inspiration bei. Die Insel war in den 1930er Jahren die zentrale Sammelstelle für Immigranten in die USA. Diese Stimmung findet sich im 3. Akt.

Manon Lescaut © Matthias Baus

Die Premiere dieser Produktion von »Manon Lescaut« war 2014 in St. Petersburg. Sicherlich hat dieser Umstand auch seinen Teil zu den Kostümen beigetragen. Die Arbeit in Russland war abenteuerlich und fand unter anderen Bedingungen, als beispielsweise in Berlin, statt. Es war eine große Herausforderung, die sehr viel Spaß gemacht hat und sehr bereichernd war.

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