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Kinderchor der Staatsoper Berlin

Gerade erreichte uns per Eilmeldung von Chorleiter Vinzenz Weissenburger die Nachricht aus Weimar, dass unser Kinderchor der Staatsoper Unter den Linden beim Deutschen Chorwettbewerb in der Kategorie Kinderchöre bis 16 Jahre den 1. Preis gewonnen hat! Wir freuen uns riesig und gratulieren!

Erst vor wenigen Tagen wurde unser Kinderchor außerdem mit der Geschwister-Mendelssohn-Medaille 2014 des Chorverbandes Berlin ausgezeichnet. Was unseren Kinderchor so besonders macht, hat Dramaturg Dr. Detlef Giese in seiner Laudatio zur Verleihung der Medaille eindrucksvoll beschrieben.

»Ohne einen stimmkräftigen und spielfreudigen Kinderchor wären viele Stücke gar nicht aufführbar.«

Was wäre, wenn im 2. Bild von Giacomo Puccinis La Bohème keine singenden Kinder dem Spielzeugverkäufer Parpignol hinterherlaufen und die Mütter nerven würden? Oder wenn es im 1. Akt der Oper Tosca keine Knaben gäbe, um eine römische Kirche für wenige Minuten in ein Tollhaus zu verwandeln? Oder wenn am Beginn von Georges Bizets Carmen keine Schar von Gassenjungen vor Ort wäre, um mit imitierten Trompetensignalen die Wachablösung der Soldaten zu begleiten? Dann sähe es auf der Opernbühne nicht nur ziemlich leer aus, es fehlte auch klanglich etwas ganz Wesentliches. Ohne einen stimmkräftigen und spielfreudigen Kinderchor wären viele Stücke gar nicht aufführbar. Der Kinderchor der Staatsoper Unter den Linden meistert diese und ähnliche Aufgaben mit bemerkenswerter Souveränität, er leistet aber noch weit mehr. In den vergangenen Jahren hat er sich ganz erstaunlich und aus unserer Sicht überaus erfreulich entwickelt.

Mit Beginn der Spielzeit 2007/08 hat Vinzenz Weissenburger die musikalische Leitung übernommen und seitdem Schritt für Schritt den Wirkungsradius des Chores erweitert. Was im kleineren Rahmen mit Konzerten im Apollo-Saal der Staatsoper begann, hat inzwischen weitere Kreise gezogen: Sicht- und hörbarster Ausdruck davon sind die Advents- bzw. Weihnachtskonzerte, die 2014 bereits zum vierten Mal in Folge im großen Saal des Schiller Theaters – dem derzeitigen Quartier der Staatsoper – stattfinden werden: gemeinsam mit der Staatskapelle Berlin, Vokalsolisten und künstlerisch anspruchsvollen Programmen. Und das alles in hoher musikalischer Qualität, wie viele der Besucher und der Mitarbeiter des Hauses uns bestätigt haben. Bach-Kantaten und Teile aus Händels Messias haben die jungen Sängerinnen und Sänger ebenso gesungen wie Romantisches von Mendelssohn oder Humperdinck, darüber hinaus wurde auch moderne französische oder englische Chorliteratur einstudiert und präsentiert. Das Spektrum der Werke ist mittlerweile breit gefächert – ein Zeichen dafür, dass der Chorleiter Neugier genug besitzt, seinen Eleven immer wieder neue Herausforderungen zu stellen.

Mehr als 100 Kinder und Jugendliche aus insgesamt 24 verschiedenen Nationen singen derzeit im Kinderchor der Staatsoper, 60 von ihnen im Konzertchor, der regelmäßig auf Reisen geht und an Wettbewerben teilnimmt. Aus allen Stadtbezirken Berlins kommen sie zwei Mal in der Woche zu musikalischen Proben ins Schiller Theater, nicht selten gibt es zusätzliche Termine für Bühnenproben und natürlich für Aufführungen diverser Art. Nur um eine Ahnung von der Quantität zu gewinnen: In der Werkstatt des Schiller Theaters, dort wo mehrmals im Jahr Musiktheater für Kinder und Jugendliche gespielt wird, hat der Chor schon mehr als 80 Vorstellungen der Märchenoper Der gestiefelte Kater von Cesar Cui bestritten – immer ausgekauft und immer mit viel Applaus bedacht. Ohne das außergewöhnliche Engagement der Kinder und Eltern wäre eine solch hohe Schlagzahl gewiss nicht möglich gewesen.

Soweit ich das beobachten kann, tragen die Mädchen und Jungen die Begeisterung für das Singen und das Theaterspielen in sich, lassen sich immer wieder neu von der Musik anstecken und zeigen sich hoch motiviert. Natürlich, die Mühen der Ebene, in Gestalt des wöchentlichen Probens, müssen bewältigt werden, auch trifft nicht jedes Stück gleich auf Resonanz. Spätestens aber, wenn es auf Reisen geht – und immerhin ging es bereits bis nach Italien, Frankreich oder ins Baltikum, dazu wiederholt nach Dresden oder Hamburg – oder wenn ein größeres Projekt ansteht, wenn das Lampenfieber steigt und der Opern- bzw. Konzertauftritt wartet, ist das alles vergessen: Dann zählt die Präsenz des Augenblicks, jener magische Moment, wo der Klang wohlstudierter, klarer Kinderstimmen sich im Raum entfaltet und – hoffentlich – auf geneigte Ohren und Herzen trifft.

In den letzten Jahren haben die jungen Sängerinnen und Sänger im Alter von 6 bis 16 Jahren bereits viel Anerkennung erfahren. Beim Landeschorwettbewerb 2013 gewann der Chor den 1. Preis, bei einem internationalen Gesangswettbewerb in Litauen die Goldmedaille. Ein bleibendes Erlebnis für viele war sicherlich die CD-Produktion von Bizets Carmen mit den Berliner Philharmonikern unter Sir Simon Rattle mit anschließender konzertanter Darbietung in der Philharmonie, bei der auch der Kinderchor großen Beifall fand. Und natürlich gehören die Auftritte mit der Staatskapelle, von denen erneut einige fest vereinbart bzw. in Planung sind, zu den Höhepunkten des Chorlebens. Zum Ende der kommenden Spielzeit etwa, im Juni 2015, wird es eine Aufführung von Mahlers monumentaler 3. Sinfonie unter Zubin Mehta geben, zu der erstmals der Kinderchor der Staatsoper zur Mitwirkung eingeladen wurde. Andere größere Vorhaben liegen weit näher: In wenigen Tagen bereits wird das Ensemble beim Deutschen Chorwettbewerb in Weimar antreten, am 1. Juni gibt der Chor Kostproben seines Könnens bei »Staatsoper für alle« auf dem Bebelplatz, vor wahrscheinlich einer eindrucksvollen Kulisse von Tausenden von Menschen. Dafür wünschen wir bestes Gelingen und viel Erfolg!

Die Verleihung der Geschwister-Mendelssohn-Medaille an den Kinderchor der Staatsoper sehen wir als Zeichen der Anerkennung für die geleistete Arbeit, zugleich aber auch als Ansporn, weiter voranzukommen. Gerade bei einem Kinderchor, bei dem es naturgemäß eine ständige, schlichtweg nicht zu vermeidende Fluktuation gibt, stellt sich die Aufgabe, das Ensemble immer wieder von innen heraus zu erneuern. In den inzwischen fast sieben Jahren, indem Vinzenz Weissenburger den Chor nimmermüde und sehr ideenreich leitet, scheint dies gelungen zu sein, verbunden mit einer hohen künstlerischen Kompetenz und Zuverlässigkeit. Dafür möchte ich heute Dir, lieber Vinzenz, mit dem ich als Dramaturg seit Jahren sehr gut und vertrauensvoll zusammenarbeite, herzlich danken, auch im Namen der gesamten Staatsoper mit dem Intendanten Jürgen Flimm und dem Generalmusikdirektor Daniel Barenboim an der Spitze. Danken möchten wir auch dem stets engagierten Team des Kinderchores, dem musikalischen Assistenten und Korrepetitor Frank Schreiber, den Stimmbildnern, den Pädagogen und Betreuern, ohne die es nicht möglich wäre, die vielfältigen Aktivitäten zu realisieren.

Und natürlich danken wir auch den vielen Kindern und Jugendlichen, die dem Chor Gesicht und Stimme geben. Ihr seid auf einem schönen Weg, der gewiss noch nicht zu Ende ist: Wir werden hoffentlich noch viel von Euch hören.

Vielen Dank und herzlichen Glückwunsch!

 

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