»Nun lauft in Ruh‘, habt gute Schuh.«

Beim großen Eröffnungsfest der Saison 2015/2016 am Samstag, 12. September, dreht sich alles um »Die Meistersinger von Nürnberg« – auf der Meistersinger-Straße könnt ihr euch traditionelle Handwerksberufe wie z. B. Bäcker, Schuhmacher oder Schneider einmal aus der Nähe anschauen. Im Vorfeld haben wir Schuhmacher Dirk Kohlke, der am Samstag beim Fest zu Gast sein wird, in Berlin-Zehlendorf besucht.

Wenn man die kleine Schuhmacherei von Dirk Kohlke in der Machnower Straße in Berlin-Zehlendorf betritt, bemerkt man sofort einen eigenartigen Geruch. »Das ist Leder«, sagt Kohlke, der schon seine Kindheit in der Werkstatt des seit 86 Jahren bestehenden Familienbetriebs verbrachte. Es mag somit kaum verwundern, dass die Berufswahl für Kohlke bereits früh feststand, auch wenn ihm sehr gute schulische Leistungen durchaus auch die Möglichkeit eröffnet hätten, das Abitur zu machen. Dass er sich direkt im Anschluss an seine Lehre entschied, die Meisterausbildung zu beginnen, hatte jedoch noch andere Gründe: Als sein Großvater, der Gründer von »Grimms Schuhe«, verstarb, drohte der Familie der Verlust des Betriebs. Drei Jahre lang besuchte Kohlke also nach der Arbeit die Meisterschule und erhielt schließlich im Alter von 21 Jahren, als jüngster Geselle Europas, die Meisterurkunde. Heute gibt Kohlke sein Wissen an Lehrlinge und Gesellen weiter, die er seit vielen Jahren ausbildet. Es ist ihm ein Anliegen, dass es erhalten bleibt, auch wenn die Suche nach jungen Menschen, die diesen alten Handwerksberuf lernen und ergreifen möchten, immer schwieriger wird. Aktuell gibt es noch 20 Schustermeister in Berlin. Als Kohlke selbst seine Lehre antrat, waren es 106 – zum Vergleich: während der Jahrhundertwende zählten allein 118 in Zehlendorf zur Schusterzunft. Kohlke blickt dennoch optimistisch in die Zukunft, vor allem da in den letzte Jahren gerade in Großstädten der Gedanke der Nachhaltigkeit wieder mehr ins Bewusstsein der Menschen gerückt zu sein scheint: »Wir bemerken schon, dass es wieder ein verstärktes Interesse bei den Leuten gibt, ihre Schuhe zu einem Schuster zu bringen oder zu kaufen, anstatt zu einem der zahlreichen Schuhdiscounter zu gehen.«

Neben den üblichen Reparaturen, spielt auch die Herstellung von Maßschuhen eine Rolle in der täglichen Arbeit. Hierbei können die Gründe, sich für einen Maßschuh zu entscheiden, durchaus vielfältig sein. Für viele Träger von Maßschuhen, sind sie eine orthopädische Notwendigkeit, andere hingegen betrachten sie als Luxusgut oder pflegen einen exklusiven Geschmack. Denn im Gegensatz zu früher hat besonders die Materialvielfalt bei der Maßschuhanfertigung deutlich zugenommen: verwendete man früher vor allem standardmäßig Leder und Gummi zur Schuhherstellung, so stellen Schuhe aus Stachelrochen-, Zebra-, Haifisch-, Straußen-, Schlangen- und Cordovanleder heute keine Seltenheit mehr dar. Kaum verändert hat sich hingegen die Herstellungsmethode: Auch heute müssen die meisten Arbeitsschritte zu Herstellung von einem Paar Schuhe manuell getätigt werden, so wie seit Jahrhunderten.

Wenn ihr euch anschauen möchtet, wie ein Schuh traditionell gefertigt wird, welche Materialien, Werkzeuge und Tricks benötigt werden oder eure Lederschuhe einmal professionell von echten Schuhmachern putzen lassen wollt, schaut bei Dirk Kohlke und seinen Mitarbeitern auf unserer Meistersinger-Straße vorbei!

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