Arnold Schönberg in Berlin

Berliner Gedenktafel für Arnold Schönberg Sembritzkistraße 33/33a, Berlin Steglitz, einem der Wohnorte Schönbergs in Berlin

Auf den Spuren des Komponisten – in Wort und Bild 

Buntes Theater, Innenansicht

Buntes Theater, Innenansicht

Wien – Berlin: eine von Künstlern und Intellektuellen vielbereiste Strecke. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts zog die expandierende deutsche Metropole Künstler wie ein Magnet an. Für den gebürtigen Wiener Arnold Schönberg (1874–1951) wurde Berlin dreimal Zentrum seines Lebens und Wirkens: 1901–1903, 1911–1915 und 1926–1933. Ein Engagement als Kapellmeister am »Bunten Theater« Ernst von Wolzogens führte den jung vermählten Komponisten erstmals Ende 1901 nach Berlin. Trotz der anfänglicher Popularität des auch als „»Überbrettl« bekannten Kabaretts geriet das Unternehmen bald in eine finanzielle Krise – Schönbergs Vertrag wurde nicht verlängert. Richard Strauss hatte ihm zuvor bereits eine Anstellung als Theorielehrer am Stern’schen Konservatorium vermittelt, in Max Marschalk fand Schönberg seinen ersten Verleger. In Berlin entstand auch sein erstes großes – noch spätromantisches – Orchesterwerk: die symphonische Dichtung »Pelleas und Melisande op. 5«.

Sternsches Konservatorium Berlin, um 1900

Sternsches Konservatorium Berlin, um 1900

Mit den in den folgenden Jahren in Wien komponierten Werken betrat Schönberg kompositorisches Neuland, durchbrach »alle Schranken einer vergangenen Ästhetik« und fühlte fortan den »Hitzegrad der Auflehnung« – durch Teile des Publikums und der Kritik. Eine u.a. von dem Komponisten Ferruccio Busoni unterzeichneter Aufruf zur Unterstützung Schönbergs erschien 1911 in der Berliner Zeitschrift »Pan«: »Schönberg wird hierherkommen, wenn sich genügend Schüler melden. Dies mitzuteilen ist der Zweck unserer Worte. Junge Leute, die Musik studieren, sollen sie lesen.« Im September 1911 zog Schönberg mit seiner Frau und den beiden Kindern nach Zehlendorf. Nach einer Reihe von Vorträgen über Musikästhetik am Stern’schen Konservatorium nahm er die Arbeit an einem der wirkungsvollsten Musikwerke des 20. Jahrhunderts auf, dem von Albertine Zehme in Auftrag gegebenen Melodramenzyklus »Pierrot lunair«. »Und ich gehe unbedingt, das spüre ich, einem neuen Ausdruck entgegen«, notiert der Komponist im Frühjahr 1912 in sein Tagebuch. Die in den zweiten Berliner Aufenthalt gesetzten Karrierehoffnungen werden durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs vereitelt. Schönberg kehrte abermals nach Wien zurück und meldete sich als Reservist zum Kriegsdienst.

Arnold Schönberg, Berlin 1911

Arnold Schönberg, Berlin 1911

Arnold Schönbergs für die Musik des 20. Jahrhunderts bahnbrechende Gedankengänge vollzogen sich nach dem Ersten Weltkrieg mit der Entwicklung einer neuen Kompositionsmethode – historisch folgerichtig in einer Zeit von Umsturz und Neuordnung auch politischer und sozialer Hierarchien im Österreich der Ersten Republik. Neu geordnet werden in der sogenannten Zwölftonmethode (auch Dodekaphonie) die Tonbeziehungen in der vertikalen wie horizontalen Organisation der Partituren, unter der Prämisse der Gleichrangigkeit, abseits von tonalen Hierarchien.

1925 wurde Schönberg in der Nachfolge Ferruccio Busonis als Vorsteher einer Meisterklasse für Komposition an die Preußische Akademie der Künste in Berlin berufen. In den folgenden Jahren entstanden teilweise in Berlin, teilweise auf ausgedehnten Reisen nach Spanien und Frankreich die unvollendete Oper »Moses und Aron«, schriftstellerische Arbeiten, Chorstücke, Kammermusik sowie eine Reihe von Orchesterwerken unterschiedlicher Genres. Neben seiner Lehrtätigkeit genoss Schönberg  zusammen mit seiner Frau Gertrud das vielfältige kulturelle Angebot, das Berlin zu bieten hatte. So sahen sie zahlreiche Filmvorführungen, besuchten Opernaufführungen und die philharmonischen Konzerte unter Furtwängler. In der Freizeit richteten sich Schönbergs kreative Fähigkeiten auf die Erfindung und Verbesserung von Gegenständen, nicht nur in der eigenen Wohnung. So war er unzufrieden mit dem System der Berliner Straßenbahn-Fahrscheine und entwickelte einen Alternativ-Vorschlag.

Preußische Akademie der Künste Berlin, 1933

Preußische Akademie der Künste Berlin, 1933

Mit den »Orchestervariationen op. 31« beendete Schönberg in Berlin sein erstes zwölftöniges Orchesterwerk. Die Komposition wurde 1926 begonnen, ruhte dann für zwei Jahre und wurde auf Drängen von Wilhelm Furtwängler, der das Stück mit den Berliner Philharmonikern uraufführte, 1928 beendet. Die Aufführung entwickelte sich für Schönberg in Abwesenheit zu seinem größten Berliner Skandal.

Arnold und Gertrud Schönberg in Berlin, 1926-1930

Arnold und Gertrud Schönberg in Berlin, 1926-1930

Aus gesundheitlichen Gründen hielt sich Schönberg seit Oktober 1931 in Barcelona auf. Als er gezwungenermaßen nach Berlin zurückkehren musste, wurde ihm die Situation der Juden in Deutschland auf drastische Weise klar. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 wurde der Antisemitismus zum Regierungsprogramm erklärt. In der Senatssitzung der Akademie am 1. März erfolgte die Gleichschaltung der Akademie, indem deren Präsident Max von Schillings deutlich machte, dass der »jüdische Einfluss gebrochen werden müsse«. Als Schönberg am 23. Mai seine sofortige Beurlaubung mitgeteilt wurde, befand er sich zusammen mit seiner Frau Gertrud und der einjährigen Tochter Nuria bereits im Pariser Exil. Dort zog er die Konsequenz aus den in den Jahren zuvor angestellten Überlegungen und trat offiziell wieder zum Judentum über. Im Oktober 1933 verließ er Europa und emigrierte in die Vereinigten Staaten, ohne jemals wieder zurückzukehren.

Arnold Schönberg, Choralionsaal, Berlin 1912

Arnold Schönber im Choralionsaal, Berlin 1912

 

Arnold Schönberg dirigirt das Berliner Rundfunkorchster

Arnold Schönberg dirigirt das Berliner Rundfunkorchster

 

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Diesen und weitere Beiträge zu Arnold Schönberg findet ihr auch auf dem Berliner Festpiele Blog

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