Bach und seine Söhne

Johann Sebastian Bach und seine Söhne Carl Philipp Emanuel, Johann Christian, Wilhelm Friedemann, Johann Christoph d. J.

Johann Sebastian Bach hatte insgesamt 20 Kinder, zu denen fünf Söhne und zwei Töchter aus der ersten Ehe mit Maria Barbara Bach (1684-1720) sowie sechs Söhne und sieben Töchter aus der zweiten mit Anna Magdalena Bach (1701-1760), gehörten. Von seinen insgesamt sechs Söhnen, die das Erwachsenenalter erreichten, wurden fünf Musiker.

Der Älteste, Wilhelm Friedemann Bach, genannt der »Hallenser Bach«, da er 18 Jahre als Musikdirektor und Organist an der Marienkirche in Halle wirkte, galt als bester Orgelspieler seiner Zeit. 1764 gab er sein Amt in Halle zugunsten einer freien künstlerischen Existenz auf. Von Zeitgenossen wurde er häufig als mürrisch, eigenbrötlerisch, zerstreut und dem Alkohol zugeneigt ergeben beschrieben. Bereits früh intensiv gefördert, orientierte er sich stark an den kompositorischen Grundprinzipien seines Vaters und versuchte doch zugleich, diese weiterzuentwickeln.

Der vier Jahre jüngere Carl Philipp Emanuel Bach, heute der berühmteste der Bach-Söhne, wirkte ab 1738 am preußischen Hof und war unter Friedrich II. königlicher Hofcembalist. Da er sich diese Stelle mit einem Kollegen teilte, blieb ihm genug Zeit, auch in bürgerlichen Musikkreisen zu verkehren. Nach fast 30 Jahren Dienst in der Hofkapelle trat er in Hamburg die Nachfolge seines Taufpaten Georg Philipp Telemann an und wurde Musikdirektor der fünf Hauptkirchen und Kantor am Gymnasium Johanneum, zugleich wurde somit aus dem »Berliner Bach« schließlich der »Hamburger Bach«. Trotz der hohen Arbeitsbelastung, veranstaltete er zusätzlich bürgerliche Musikgesellschaften, in denen er seine eigenen Werke, nicht selten selbst dirigierend bzw. am Cembalo spielend, vorstellte. C. P. E. Bach wurde zum bedeutendsten Vertreter des sogenannten »empfindsamen Stils«, dessen Ästhetik durch eine neue Subjektivität geprägt wurde. Vor allem als Klaviervirtuose übertraf seine Popularität die seines Vaters und auch seine Kompositionen im Bereich der Klaviermusik sowie seine Sinfonien wurden von Zeitgenossen als »unnachahmlich« gefeiert.

Johann Christoph Friedrich Bach wurde 1732 geboren und ist ein Halbbruder Wilhelm Friedemanns sowie Carl Philipp Emanuels. Als Achtzehnjähriger wurde er als »Hochgräflich Schaumburg-Lippischer Cammer-Musicus« in den Dienst am Hof Bückeburg berufen. Dort lernte er durch Giovanni Battista Serini und Anglo Colonna den italienischen Stil kennen. Im Zuge des siebenjährigen Krieges wurde ihm eine Stelle an der evangelischen Hauptkirche der Stadt Altona zugesprochen, der Wechsel dorthin wurde ihm jedoch von seinem Dienstherrn, dem Grafen Wilhelm, versagt. 1767 bewarb er sich erfolglos auf die Nachfolge Georg Philipp Telemanns – die Stelle wurde an seinen Halbbruder Carl Philipp Emanuel vergeben – und blieb hiernach bis zu seinem Tod 1795 in Bückeburg tätig. Zwar galt er, nach einer Aussage Wilhelm Friedemanns, als Begabtester der Söhne, doch wurden seine Kompositionen zu denen Opern, 20 Sinfonien, Klavierkonzerte und Kammermusikwerke zählten über lange Zeit von der Rezeptionsgeschichte vernachlässigt. Allerdings stellt er für die Bach-Forschung heute ein wichtigstes Bindeglied zwischen Barock und Klassik dar.

Johann Christian Bach, der jüngste Sohn seines Vaters Johann Sebastian, erhielt seine wesentliche musikalische Prägung in Italien im Dienste des Grafen Agostino Litta. Sechs Jahre später, mit nunmehr 25 Jahren, wurde er Organist am Mailänder Dom, nachdem er zuvor zwangsweise zum Katholizismus konvertierte. Dort begann er sich ebenfalls der Komposition von Opern zuzuwenden und feierte mit den Werken »Catone in Ultica« sowie »Alessandro nell’Indie« große Erfolge. Diese erweckten zudem das Interesse der englischen Königin Sophie Charlotte, die den zu dieser Zeit noch »Mailänder Bach« genannten Komponisten als persönlichen Musiklehrer nach London holte. Dort komponierte er weitere Opern und wurde auch als Initiator von Konzerten sehr erfolgreich.

Johann Christian Bach entwickelte als Wegbereiter der Klassik einen sehr persönlichen zugleich originellen Stil, der italienische und deutsche Elemente miteinander verband und ein neues Verständnis für Melodik aufwies. Großen Einfluss übte er auf den jungen Wolfgang Amadeus Mozart aus. Mozart verehrte Bach, beide trafen sich erstmals 1764 in London, und auch Leopold Mozart riet seinem Sohn, die Werke Bachs genau zu studieren.

Einzig über Johann Gottfried Bernhard Bach, der bereits im Alter von 24 Jahren starb, ist wenig bekannt. Nach dem Besuch der Thomasschule in Leipzig, wurde er Organist an der Marienkirche Sangerhausen. Verschuldet verließ er die Stadt mehr oder weniger über Nacht und reiste schließlich nach Jena, um sich als Jurastudent an der dortigen Universität zu immatrikulieren. Von ihm sind keine Kompositionen überliefert.

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