Clara Nadeshdins Spielzeit mit Richard Wagner – Die Sopranistin ist Mitglied des Internationalen Opernstudios

Liedrecital, große Oper und Kinderopernhaus – Die Sopranistin Clara Nadeshdin blickt in ihre zweite Spielzeit als Mitglied des Internationalen Opernstudios an der Staatsoper, in der ihr die Musik Richard Wagners gleich bei mehreren Projekten begegnet.

Zwischen Partienstudium und dem Probenstart der neuen Produktion des Kinderopernhauses treffen wir Clara Nadeshdin in der Kantine der Staatsoper. Die Sopranistin ist nun bereits seit einer Saison Mitglied des Internationalen Opernstudios, wo in ihrer ersten Spielzeit die Neuproduktion von Christian Josts Oper DIE ARABISCHE NACHT zu ihren persönlichen Highlights zählte. 2022/23 singt sie unter anderem in der Neuproduktion des RING DES NIBELUNGEN eine Solo-Partie: Bereits bevor ihre Zeit im Internationalen Opernstudio begann stand fest, dass sie als Gerhilde – eine der Walküren – in der WALKÜRE besetzt sein würde. Ein Glücksfall – ihr Lieblingskomponist ist zwar Richard Strauss, aber gleich danach kommt Wagner. »Ich liebe Wagner und bin super dankbar, dass ich hier schon so viel ausprobieren kann.«

Überhaupt dreht sich in dieser Saison bei Clara Nadeshdin vieles um Wagner: In einem Liedrecital des Opernstudios, an dem sie mitwirkte, standen Lieder Wagners und seiner Zeitgenossen wie Meyerbeer, Fauré oder Lachner auf dem Programm, deren Musik sich trotz der gleichen Entstehungszeit stark unterscheidet. So sang sie etwa »Tout n’est qu’images fugitives« aus Wagners Frühwerk. »Es klingt überhaupt nicht wie man sich Wagner vorstellt.« Das französische Lied, mit dem der Komponist in Paris Fuß zu fassen versuchte, verlangt gegenüber den Partien in seinen späteren Musikdramen eine andere Herangehensweise.

Auf die Frage ob es sie mehr auf die Opernbühne zieht oder ob sie Liedgesang auch reizt, stellt sie fest: »Ich habe so viel Respekt vor dem Genre Lied. Beim Lied ist man nackig, und diese Durchsichtigkeit ist auch unglaublich wichtig für die Opernbühne«. Dennoch liebt sie die Oper, besonders das ganze »Drumherum« – von Maske, Kostüm, Licht bis zur Regie – welches sich mit der Musik zu einem großen Gesamtkunstwerk zusammenfügt.

Neben der Rolle im »Ring« und dem Liederabend des Opernstudios begegnet Clara Nadeshdin Richard Wagner noch ein weiteres Mal: Im Kinderopernhaus wird sie die Partie der Ortrud in einer Kinderfassung von »Lohengrin« singen. Die Anfrage kam für sie durchaus überraschend, zumal es sich eigentlich um eine Mezzo-Partie handelt. In der auf 80 Minuten reduzierten Fassung liegt ihr die Ortrud jedoch sehr gut und die Arbeit mit Kindern liebt sie sowieso: Nach dem Abitur absolvierte sie sogar ein Jahrespraktikum in einem Kindergarten und erwog zeitweise, eine Ausbildung zur Erzieherin zu machen. Umso mehr freut sich Clara Nadeshdin auf die Arbeit mit den ca. 30 Kindern. Denn jungen Menschen die manchmal etwas sperrige Kunstgattung Oper näher zu bringen, ist ihr eine Herzensangelegenheit. »Es ist wichtig, dass Kinder damit früh in Berührung kommen.«

»Ich war selber überrascht als ich die Aufnahmeprüfung in Hannover geschafft habe und plötzlich alle Zeichen auf ›Opernsängerin‹ standen.«

Auch sie selbst ist nicht mit klassischer Musik groß geworden, sondern in den Beruf »reingerutscht«. Als Teenagerin nahm sie Gesangsunterricht – in der Fachrichtung Musical. Ihre Lehrerin war jedoch eine ehemalige Opernsängerin und brachte ihr die ersten Opernarien in den Unterricht mit. »Sie war es auch, die mir vorgeschlagen hat, dass ich das doch studieren soll. Und weil ich keinen besseren Plan hatte, habe ich das einfach versucht. Ich war selber überrascht als ich dann die Aufnahmeprüfung in Hannover geschafft habe und plötzlich alle Zeichen auf ›Opernsängerin‹ standen.« Weder von der beruflichen Perspektive noch von der Opernmusik war sie dabei zunächst überzeugt. »Erst mit dem Masterstudium habe ich das so richtig ernst genommen«, erzählt sie lachend. Und heute teilt sie sich die Bühne mit internationalen Größen.

Vom Internationalen Opernstudio der Staatsoper schwärmt sie sowohl im Hinblick auf das künstlerische Programm als auch die Atmosphäre: »Man merkt richtig, dass man Teil des Opernbetriebs ist.« Mit Anja Kampe und Michael Volle auf einer Bühne zu stehen, oder eine Sitzprobe mit den Musiker:innen der Staatskapelle zu erleben, nötigt ihr einerseits großen Respekt ab. Gleichzeitig betont sie aber auch, dass das »ganz normale Menschen sind, ohne irgendwelche Allüren«. Der RING ist für Clara Nadeshdin der perfekte Start in das zweite Jahr im Opernstudio, in dem neben Wagner in seinen verschiedenen Ausprägungen mehrere Vorstellungen als Erste Dame (»Die Zauberflöte«), Meisterkurse bei Sängergrößen wie Neil Shicoff, Hedwig Fassbender, Elena Pankratova und viele weitere spannende musikalische Aufgaben und Erlebnisse bevorstehen.

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