»Es ist doch immer: Musik«

Jörg Widmann © Marco Borggreve

Der Komponist und Klarinettist Jörg Widmann wird im Oktober sowohl im II. Abonnementkonzert der Staatskapelle Berlin als auch in einem Kammerkonzert mit Daniel Barenboim und Mitgliedern der Staatskapelle, bei dem unter anderem die Uraufführung seines »Bayerisch-babylonischen Marsch« in der Fassung für acht Klarinetten und Klavier auf dem Programm steht, zu erleben sein. Darüber hinaus widmet ihm das Cleveland Orchestra im Rahmen des Musikfests Berlin einen ganzen Konzertabend. Mit uns spricht er über seine Beziehung zur Musik und zum Komponisten – seiner eigenen Werke.

Sie haben bei so unterschiedlichen Komponistenpersönlichkeiten wie Wilfried Hiller, Hans Werner Henze, Heiner Goebbels und Wolfgang Rihm studiert. Können Sie aus heutiger Sicht sagen, wer Sie am meisten geprägt hat? Gab es darüber hinaus noch weitere »Fixpunkte«?
Alle genannten Persönlichkeiten haben mich darin unterstützt, meinen  – so hoffe ich – ganz eigenen Weg zu finden und zu gehen. Ein weiterer ganz, ganz wichtiger Einfluss für mich war und ist Pierre Boulez. Es gehört zu den Glücksfällen meines Lebens, dass die Figur, die mich als Jugendlicher durch ein Konzert in Strassburg zur Neuen Musik gebracht hat, mir durch spätere intensive persönliche Zusammenarbeit weitere wichtige Impulse geben konnte. Wir arbeiteten wiederholt an seinem Klarinettenstück mit Elektronik »Dialogue de l’ombre double« und er hat in einer spektakulären Uraufführung in Salzburg mit den Wiener Philharmonikern mein Orchesterstück  »Armonica« aus der Taufe gehoben. Unvergesslich. Nach wie vor suche ich den Austausch mit ihm.

Sie waren zwei Jahre Composer in Residence beim Cleveland Orchestra, das jetzt auf seiner Europatournee Ihr Flötenkonzert »Flûte en suite« präsentiert und Ihnen beim Musikfest Berlin am 11. September einen ganzen Abend widmet. Können sie die die Zusammenarbeit mit dem Orchester beschreiben und worin unterscheidet sie sich vielleicht zu der mit einem Europäischen oder deutschen Orchester?
Kaum ein Orchester kennt meine Musik so gut und hat sie so oft gespielt wie dieses. Es zeichnet sich durch eine außergewöhnliche Homogenität und Perfektion im besten Sinne (was nicht mit Glätte verwechselt werden darf!) aus. Es ist berührend für mich, zu beobachten, wie im Laufe der Jahre meine musikalische Sprache dieser zum Teil hochkomplexen Stücke allmählich quasi in die DNA dieses Orchesters übergegangen ist.

Sie werden sowohl im II. Abonnementkonzert als auch in einem Kammerkonzert mit Daniel Barenboim und Mitgliedern der Staatskapelle Berlin als Klarinettist und Interpret der eigenen Werke zu hören sein. Wie definieren Sie Ihr persönliches Verhältnis von Werk und Interpretation?
Manchmal fluche ich auf den Komponisten, wenn ich ein eigenes Stück spiele, wenn Sie das meinen… Nein ernsthaft, ich kann es gar nicht trennen. Ich bin Musiker. Früher war es doch auch normal, dass ein Komponist zwei, drei Instrumente beherrscht und ein Instrumentalist selbstverständlich auch mit den Grundlagen des Komponierens vertraut ist. Es sind verschiedene Ausdrucksformen, aber es ist doch immer: Musik. Seit Daniel Barenboim mit der Staatskapelle so wunderbar meinen »Teufel Amor« musiziert hat, ist eine wirkliche musikalische Freundschaft entstanden. Es waren unvergessliche Aufführungen. Seither tauschen wir uns intensiv aus und werden mit den fantastischen Musikern der Staatskapelle Berlin ein gemeinsames Kammerkonzert spielen (meine musikalischen Götter Mozart, Schumann und Berg, sowie meine Musik) und erstmals mein Klarinettenkonzert »Elegie« gemeinsam musizieren. Darin gibt es so halsbrecherisch schwere Mikrotonskalen und -läufe für die Solo-Klarinette, dass ich vielleicht tatsächlich noch einmal das ein oder andere Wort mit dem Komponisten wechseln muss…

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