Lesetipps für den September

Auf einen Kaffee mit der Dramaturgie - Lesetipps für den September

Von Brahms bis Hartmann – unser Dramaturg Detlef Giese hat für den September neue Lesetipps zusammengestellt. Macht es – passend zum Herbstwetter – mit einem Kaffee auf dem Sofa bequem und lasst euch vielleicht durch die Lektüre zum nächsten Konzert- oder Opernbesuch inspirieren.

 

Johannes Forner: Brahms – ein Sommerkomponist

Der Sommer neigt sich langsam seinem Ende zu – Gelegenheit, sich diese von vielen sehr geschätzte Jahreszeit nachhaltig ins Gedächtnis zu rufen. Johannes Brahms, dessen zwei Klavierkonzerte Daniel Barenboim gemeinsam mit »seiner« Staatskapelle und Gustavo Dudamel Anfang September spielen wird, etwa war ein ausgesprochener Sommerkomponist. Von den frühen 1860er Jahren bis zu seinem letzten Sommer 1896, zog er auf’s Land, um Musik zu erfinden und zu schreiben: Sinfonien und Chorwerke, Klavier- und Kammermusik, Konzerte und Lieder. Johannes Forner, lange Jahre am Leipziger Gewandhaus tätig, hat in seinem lesenswerten Brahms-Buch von 1997 viele erhellende Informationen über die Sommeraufenthalte zusammengetragen und episodenreich erzählt, so dass eine ganz besondere Geschichte von Leben und Werk dieses Jahrhundertkomponisten entstanden ist. Auch als Anregung, wieder einmal Brahms zu hören.

 

Ulrich Dibelius (Hg.): Karl Amadeus Hartmann – Komponist im Widerstreit

Wenn es um die »Neue Musik« des 20. Jahrhunderts geht, fällt häufiger auch der Name von Karl Amadeus Hartmann. Wirklich prominent ist er gleichwohl nicht geworden, trotz aller Wertschätzung. Seine Werke werden durchaus gespielt, auch auf CD aufgenommen – wie etwa seine Kammeroper »Simplicius Simplicissimus«, deren Urfassung aus den mittleren 30er Jahren ab Ende September auf der Werkstattbühne zu sehen sein wird. Dieses wichtige Werk wird in dem von Ulrich Dibelius zu Hartmanns 100. Geburtstag herausgegebenen Buch ebenso beleuchtet wie seine Sinfonien und sein weiteres Œuvre. Und zudem kommen biographische Aspekte zur Sprache: die frühen Prägungen während der Weimarer Republik, die »innere Emigration« während des Dritten Reiches, der Neubeginn nach dem 2. Weltkrieg, nicht zuletzt in seinen eigenen Worten. Wer mehr – und das fundiert – über Karl Amadeus Hartmann, eine zweifellos zentrale Komponistengestalt seiner Zeit erfahren möchte, sei dieser Sammelband empfohlen.

 

Andreas Gryphius: Gesammelte Werke (Neuausgabe Frankfurt a. M. 2010)

Kaum ein Autor hat die Eitelkeit der Welt in so eindringliche Worte gefasst wie der schlesische Barockdichter Andreas Gryphius. Die Sprache und das Denken des 17. Jahrhunderts mögen uns mitunter fremd sein, Gryphius’ Gedichte jedoch, klar und prägnant formuliert und dabei doch von gewaltiger Aussagekraft, dringen unmittelbar zum Emotionalen vor, lassen auch bei den ansonsten selbstbewussten, grundlegend optimistischen und von keinen Zweifeln angekränkelten Menschen das Nachdenken einsetzen. Zum Reflektieren wird man bei diesen Vanitas-Versen gebracht: über den Gang der Zeit, über das eigene Dasein, über die letzten Dinge. »Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein / wo itzund Städte stehn, wird eine Wiese sein.« So etwas hat kaum an Aktualität verloren, ist Sinnbild unserer Gegenwart. Aber dann gibt es auch die humorvolle, komische Seite des großen Dichters, in seinen Lustspielen etwa. Auch heute noch zum Lesen gedacht, zumal wenn uns diese außergewöhnliche Gedankentiefe begegnet.

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