»Eine große Bereicherung zum Orchesteralltag«

Der Landesmusikrat Berlin hat kürzlich im Rahmen von »Jugend musiziert« Werke von jungen Komponistinnen und Komponisten preisgekürt. Zu den ausgezeichneten Kindern gehören auch acht Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Kompositionswerkstatt der Jungen Staatsoper. Unter der Leitung des Komponisten Jobst Liebrecht sind Stücke entstanden, die in einem Konzert von Mitgliedern der Staatskapelle Berlin im Gläsernen Foyer des Schiller Theaters uraufgeführt wurden.

Alexander Grams (Teilnehmer der Kompositionswerkstatt für Kinder), Jobst Liebrecht (Komponist) und Felix Wilde (Trompeter der Staatskapelle Berlin) haben ihre Gedanken zur Kompositionswerkstatt aufgeschrieben.

Alexander Grams, 13 Jahre
In diesem kurzen Text möchte ich Ihnen meine Erfahrungen mit dem Komponieren und der Kompositionswerkstatt der Jungen Staatsoper Berlin näher bringen.

Zum Komponieren:
Das Komponieren ist für mich eine tolle Form, Musik zu erschaffen und damit etwas auszudrücken. Die Herausforderung besteht für mich darin, die Musik so zu gestalten, wie sie sein soll. Es gibt dafür unendlich viele Möglichkeiten und jeder Komponist kann sie auf verschiedene Weise nutzen. Diese unbegrenzte Freiheit und Möglichkeit Musik zu erschaffen, ist für mich das Beste am Komponieren.

Zur Kompositionswerkstatt:
Meiner Meinung nach zeichnet die Kompositionswerkstatt besonders aus, dass die Teilnehmer*innen die Möglichkeit bekommen, sich von Fachkundigen beraten zu lassen und dass die eigene Komposition von Musikern der Staatskapelle gespielt wird. Die Herausforderung beim Komponieren besteht oftmals, neben dem Erfinden der Musik selbst, darin sie aufzuschreiben, denn alles muss für die Musiker verständlich sein. Die Kompositionswerkstatt ist dabei eine große Hilfe, auch dies am Anfang zu erlernen. Am Anfang der Werkstatt entsteht die Idee, wie die Komposition werden soll. Sie wird dann immer weiter bis zur fertigen Komposition fortgeführt. Die Teilnehmer*innen haben sich meist am Wochenende in den Räumen der Staatsoper im Schiller Theater getroffen und haben mit Unterstützung von Fachkundigen an den Kompositionen gearbeitet. In den letzten drei Kompositionswerkstätten, bei denen ich teilgenommen habe, wurde für jeweils fünf Instrumente komponiert (z.B. Klarinette, Trompete, Posaune, Schlagzeug, Violoncello), was meiner Meinung nach, eine sehr gute Auswahl zum erlernen des Komponierens ist. Es ist für mich jedes Mal eine interessante Erfahrung, wenn die Kompositionen erstmals auf diesen Instrumenten erklingen. Das Konzert, bei dem die Stücke einem Publikum vorgestellt und auch aufgenommen werden, stellt dann einen guten Abschluss dar.
Alles in Allem bietet die Kompositionswerkstatt den Teilnehmer*innen eine sehr gute Möglichkeit, ihre ersten Erfahrungen mit dem Komponieren zu machen und es zu erlernen.

Jobst Liebrecht, Komponist
Die Ideen sind frei, wer kann sie erraten – sie fliegen vorbei wie nächtliche Schatten… so bin ich versucht, in Abwandlung des wunderbaren Volkslieds von den Gedanken auch über die Stückideen zu schreiben.
Seit vier Jahren betreue ich als Komponist die Kompositionswerkstatt für Kinder der Jungen Staatsoper. Dabei versuche ich, den Kindern ein Partner zu sein beim Haschen und Suchen der schönen Ideen.
Die Kinder, die an der Werkstatt teilnehmen, haben in der Regel viele und schöne Ideen. Aber bei der einen jungen Komponistin sprudeln diese, sobald sie nur am Tisch und vor einem leeren Blatt sitzt, bei dem anderen wollen die scharfen und überzeugenden Gedanken geduldig abgewartet werden. Wieder ein anderer hat ständig neue Ideen und wirft die alten über den Haufen. Wenn so eine Idee einmal erspürt ist, dann trifft sie nämlich auf einen Parcours von Schwierigkeiten. Die 5 Instrumente haben ihre eigenen Bedingungen, sie haben auch ihr von Jahrhunderten vorgeprägtes, individuelles und mitunter fast zur Stereotypie neigendes Dasein. Die Notenblätter haben die 5 Linien, die Noten haben ihre vorgeprägte Form, die Taktarten ihr mathematisches Gepräge. Es ist für die Hand zunächst sehr schwer, so viele Noten aufzuschreiben! 3 Minuten Musik für 5 Musiker sind viele, viele Stunden Arbeit. Nichts ist dieses alles aber gegen die größten Schwierigkeiten, die jede und jeder und auch jedes Kind schon antrifft, wenn man beim Komponieren die inneren Probleme der eigenen Person ganz direkt erlebt, wenn man denkt, man darf etwas nicht, wenn man unsicher wird und auf die Suche gerät. Auch dabei versuche ich, den Kindern ein Partner zu sein, Aufmunterungen zu geben, kleine Wegzehrungen am Rande und vor allem immer wieder ein gemeinsames Lachen. Denn tatsächlich bringt das Ideenentwickeln und Notenaufschreiben immer wieder sehr viel gemeinsamen Spaß, und wir alle sind mächtig stolz, wenn es dann zum Klingen kommt!

Felix Wilde (Trompeter der Staatskapelle Berlin)
Unsere  Aufgabe als Musiker war es nicht nur, die Kompositionen der Jugendlichen zum Leben zu erwecken und zum Klingen zu bringen: Wir wurden quasi in den Schaffensprozess ein wenig eingebunden, indem wir nämlich an einem Wochenende im Januar unsere Instrumente vorstellten. Hierbei ging es natürlich um verschiedene Spieltechniken und Möglichkeiten bzw. Unmöglichkeiten auf den jeweiligen Instrumenten, aber auch um klangliche Varianten (z.B. verschiedene Dämpfer, Flatterzunge, Glissando, Luftgeräusche etc.). Die jungen Komponist*innen brachten zum Teil erste Skizzen mit und wir alle konnten schon einen ersten Eindruck mancher Stücke gewinnen.
Das gemeinsame Proben und Erarbeiten der Stücke mit Jobst Liebrecht und den Kindern war eine wahre Freude. Mich überraschte, wie unterschiedlich die Stücke waren, standen sie doch alle unter dem Motto »Tanz«. Ich erlebte, wie viel Freiheit Jobst Liebrecht den Teilnehmer*innen ließ und mit welch positiver Ausstrahlung er sie begleitete.
Beeindruckend für mich war vor allem, welche genaue Vorstellung die Kinder davon hatten, wie ihre Stücke klingen sollten. Trotzdem war die Idee nicht soweit festgelegt, dass nicht kleine Korrekturen von Lautstärke, Tempo oder der Instrumentation möglich waren.
Mit diesem Hintergrund, die Stücke dann am nächsten Tag zur Uraufführung zu bringen, war neben der schönen Herausforderung auch eine große Bereicherung und Ergänzung zu unserem Orchesteralltag.

Ein Kommentar

  • Papa
    schrieb am 24.05.2017 um 9:01 Uhr.

    Gut gemacht

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