ThrowbackThursday No 18 – aus 450 Jahren Staatskapelle Berlin

Zum 450. Jubiläum der Staatskapelle Berlin, das wir 2020 feiern, gibt es in dieser Serie wöchentlich einen #ThrowbackThursday mit interessanten Fakten und Wissenswertem aus der Geschichte der Staatskapelle Berlin für Euch.
Woche 18: Wie klingt die Kaiserzeit? Die ersten Tonaufnahmen der Berliner Hofkapelle 1916

Die Technik der Klangaufzeichnung steckte noch in den Kinderschuhen, als die Berliner Hofkapelle damit begann, erste Schallplatten zu produzieren. Recht limitiert waren die Möglichkeiten zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Seite einer Schellackplatte fasst gerade einmal vier bis fünf Minuten Musik, die Tonqualität hält den Vergleich mit heutigen Maßstäben keineswegs aus. Und doch besitzen diese frühen Aufnahmen eine eigentümliche Aura, führen sie uns doch in eine Zeit zurück, die so seltsam fern erscheint, mit den Mitteln des Klanges aber wieder vergegenwärtigt werden kann. Inmitten des Ersten Weltkriegs, im Sommer und Herbst 1916, fanden die ersten Aufnahmesitzungen statt, mutmaßlich im Berliner Studio der Deutschen Grammophon AG. Leo Blech, der Hofoper Unter den Linden seit 1906 als Kapellmeister verbunden, seit 1913 im Rang eines Generalmusikdirektors stehend, leitete das Orchester. Naturgemäß wurden kürzere Stücke aufgezeichnet, direkt in den Aufnahmetrichter gespielt, ohne die Möglichkeit nachträglicher Korrekturen. Die Vorspiele zum 3. und 4. Akt von Bizets »Carmen« waren darunter, eines von Blechs favorisierten Werken, das er mehrere Hundert Male im Laufe seiner langen, eng mit der Berliner Hof- und Staatsoper verbundenen Karriere dirigierte. Außerdem gab es Musik von Beethoven – zwei Exzerpte aus »Leonore III« sowie »Die Ruinen von Athen«, einer weiteren Ouvertüre. Dann galten die Aktivitäten auch Wagner: Das klanglich opulente, die »Fülle des Wohllauts« freilich nur bedingt einfangende Vorspiel zu den »Meistersingern« wurde aufgenommen, desgleichen die »Tannhäuser«-Ouvertüre, instrumentale Ausschnitte aus dem »Lohengrin« und der pompöse »Kaisermarsch«. Und schließlich spielte die Hofkapelle unter Blech noch die Ouverüre zu Mozarts »Figaro«, in rasantem Tempo, mit Witz, Virtuosität und Esprit, als lebendiges Zeugnis der hohen künstlerischen Qualität, die dem Orchester und seinem Dirigenten möglich war.

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