Vor 300 und einem Jahr – Bachs Widmung der »Brandenburgischen Konzerte«

Die Staatskapelle Berlin spielt mit András Schiff als Pianist und musikalischem Leiter Johann Sebastian Bachs »Brandenburgische Konzerte« Nr. 1–6 BWV 1046–1051 an zwei aufeinanderfolgenden Abenden im Pierre Boulez Saal.

Bachs virtuoses Tastenspiel begeisterte den musikliebenden, sich just auch in Berlin aufhaltenden Christian Ludwig so sehr, dass daraus mit einiger Wahrscheinlichkeit ein Kompositionsauftrag erwuchs.

»Da ich vor einigen Jahren das Glück hatte, mich vor Eurer Königlichen Hoheit auf Ihren Befehl hin hören zu lassen, und da ich dabei bemerkte, daß Sie einigen Gefallen an den kleinen Gaben fand, die mir der Himmel für die Musik verliehen hat, und da beim Verabschieden mich Eure Königliche Hoheit mit dem Auftrag zu beehren beliebte, Ihr einige Stücke meiner Komposition zu übersenden: so habe ich denn gemäß Ihrem allergnädigsten Auftrag mir die Freiheit genommen, Eurer Königlichen Hoheit meine ergebensten Aufwartungen mit den vorliegenden Konzerten zu machen, die ich für mehrere Instrumente eingerichtet habe.«

Vor ziemlich genau dreihundert und einem Jahr, am 24. März 1721, widmete Johann Sebastian Bach, seines Zeichens Hofkapellmeister des Fürsten Leopold von Anhalt-Köthen, mit diesen wohlgesetzten Worten eine Serie von sechs Ensemblekonzerten dem Markgrafen Christian Ludwig von Brandenburg. Dieser Hohenzoller, der jüngste Sohn des »Großen Kurfürsten« Friedrich Wilhelm, residierte nicht in Berlin oder Potsdam, sondern etwas abseits in Schwedt an der Oder. An Spree und Havel regierte seit 1713 sein Neffe Friedrich Wilhelm I., der »Soldatenkönig«, der im Zuge einer rigiden Sparpolitik und aus Desinteresse an den Schönen Künsten die weitaus meisten Musiker der Berliner Hofkapelle entlassen hatte. Einige von ihnen hatten eine neue Anstellung am kleinen, aber kulturell blühenden Hof im anhaltinischen Köthen gefunden – ebendort wo seit 1717 Johann Sebastian Bach als Kapellmeister amtierte. Als Bach im Herbst 1718 die preußische Residenz besuchte – wesentlicher Zweck seiner Reise war der Kauf eines Cembalos für die Köthener Hofkapelle –, ließ er sich auch im Stadtschloss sehen und hören. Bachs virtuoses Tastenspiel begeisterte den musikliebenden, sich just auch in Berlin aufhaltenden Christian Ludwig so sehr, dass daraus mit einiger Wahrscheinlichkeit ein Kompositionsauftrag erwuchs. Aber erst zweieinhalb Jahre später, im Frühjahr 1721, legte Bach eine Sammlung vor, die er dem Markgrafen zudachte – wobei die bestens ausformulierte Widmung mit ziemlicher Sicherheit nicht aus seiner Feder stammte. Die »Six Concerts avec plusieurs instruments«, nachmals so treffend die »Brandenburgischen Konzerte« genannt, gehören nicht nur zu den bekanntesten Werken Bachs, sondern der Barockmusik insgesamt. Bach hat bei ihnen aus dem Vollen seiner Erfindungskraft und klanglichen Phantasie geschöpft – jedes der sechs Konzerte ist anders besetzt und variabel kompositorisch ausgestaltet. Die markante Zueignung dürfte noch eine besondere Intention gehabt haben: Mit seinem Werk und den wohlgesetzten Worten könnte durchaus eine unausgesprochene Bewerbung als Hofkapellmeister in Berlin verbunden gewesen sein – wer wusste schon, ob die Musen nicht auch dort bald wieder gefragt waren?

Bachs Musik ist in ihrer gesamten Fülle und Vielfalt zu erleben

András Schiff (c) Nicolas Brodard

András Schiff (c) Nicolas Brodard

In den vergangenen drei Jahrhunderten sind die »Brandenburgischen Konzerte« oft zur Aufführung gekommen, gespielt auch und gerade von Musiker:innen der Staatskapelle Berlin. Eine zyklische Darbietung ist immer eine besondere Sache, herausfordernd genug für einen ganzen Abend, da ein umfassendes Instrumentarium aufzubieten ist: Flöten, Oboen und Hörner, dazu Trompete und Fagott, auch Gamben und Violen – und natürlich eine solistisch eingesetzte Violine und ein konzertierendes Tasteninstrument. Dafür aber ist Bachs Musik in ihrer gesamten Fülle und Vielfalt zu erleben, so wie jetzt an zwei Tagen im Pierre Boulez Saal in unmittelbarer Nachbarschaft zur Staatsoper. Die musikalische Leitung liegt dabei in den Händen von Sir András Schiff, der bereits mehrfach mit der Staatskapelle Berlin zusammengearbeitet hat, und in den Konzerten auch den Klavierpart übernimmt. Der renommierte Bach-Interpret wurde für sein künstlerisches und gesellschaftliches Engagement vielfach ausgezeichnet. So ist er Ehrenmitglied des Beethoven-Hauses Bonn, Träger des Robert-Schumann-Preises der Stadt Zwickau und Gewinner der Goldenen Mozart-Medaille der Internationalen Stiftung Mozarteum. Zudem erhielt er den Orden pour le mérite für Wissenschaften und Künste sowie das Große Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik Deutschland. Seine Interpretation der Brandenburgischen Konzerte verspricht ein besonderes musikalisches Erlebnis zu werden.

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