Zwischen Vorfreude und Aufregung – Die Mitglieder des Opernkinderorchesters berichten

Der letzte Ton verklingt, der Dirigent winkt ab, die Instrumente werden beiseitegelegt. Im Orchesterprobensaal der Staatsoper Unter den Linden, wo kurz zuvor noch mit äußerster Konzentration geprobt wurde, herrscht nun mit einem Mal reges Treiben unter den über 80 Kindern des Opernkinderorchesters (OKO). Die Tuttiprobe ist beendet, doch in einer halben Stunde geht es schon weiter mit den Proben der einzelnen Register. Es ist daher gar nicht so selbstverständlich, die wenigen freien Momente für ein Interview herzugeben. Ein paar »OKO-Kinder« haben es doch getan und berichten aus dem Alltag der jungen Musiker:innen.

Beitrag zum Hören:

Was waren eure schönsten Momente im OKO?

Iounia (12, Oboe):  Für mich waren die schönsten Momente die Auftritte – wenn das Konzert zu Ende ist und man erleichtert aufatmen kann. Alle applaudieren und dann fühlt man sich richtig gut. Und natürlich auch vor dem Auftritt, wenn dieses Kribbeln im Bauch einsetzt, und das gute Gefühl, wenn die Aufführung zu Ende ist.

Sofia (12, Flöte):  Es ist richtig schön, mitten im Orchester zu sitzen und mitzuspielen. Es ist wie ein Rausch.

Avalon (12, Geige):  Allein hier im Orchester zu sein, ist ein guter Moment. Man hat hier nämlich sehr viele Freunde. Und natürlich sind die Konzerte ein Highlight. Ich bin ja erst seit letztem Jahr hier und das Konzert war sehr aufregend und spannend. Als ich zum ersten Mal auf der Staatsopernbühne war, war das schon krass.

Wie bereitet ihr euch auf diese Auftritte vor?

Iounia: Also, ich atme ganz tief durch und zähle bis drei und dann klappt es eigentlich immer ganz gut. Letztes Jahr hatte ich ein Solo und das war sehr schön. Mir war natürlich besonders kribbelig zumute, aber das ist dann auch das Coole. Besser auf jeden Fall als eine Achterbahnfahrt!

Avalon: Natürlich üben wir die Stücke, vor allem vor dem Konzert üben wir sie sehr viel.

Würdet ihr die Musik, die ihr im OKO spielt, auch in eurer Freizeit hören?

Klara (12, Geige): Ja, vielleicht.

Pauline (10, Geige): Klar! Vor allem Mozart finde ich wunderschön. Mir gefällt »Don Giovanni« am besten, da kommen so viele verschiedene Klänge vor.

(c) Peter Adamik

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Was ist das Besondere an diesem Orchester?

Iounia: Dass es sehr, sehr viele Leute sind. 80 Kinder spielen mit. Das gibt es eher selten. Und es kommen nur Kinder, die wirklich auch Lust dazu haben. Im Schulorchester ist das anders, aber hier gibt es keinen Zwang und deswegen macht es allen Spaß. Das spürt man dann auch.

Welches Stück gefällt euch besser: »Die Moldau« oder »An der schönen blauen Donau«?

Klara: Ich glaube, die »Moldau«.

Pauline: Ich finde auch die »Moldau« schöner, weil darin so verschiedene Klänge enthalten sind, manchmal kurze, manchmal lange Noten. Es ist wie ein Fluss, der im Gebirge oder durch eine Landschaft fließt.

Iounia: Die »Moldau« ist ruhiger und melancholischer. Es ist ein sanftes Auf und Ab. So als würde man auf einer Schaukel sitzen und leicht angeschubst werden.

David (10, Geige): Die »Donau«, weil sie einfach schöner ist.

Avalon: Also ich würde auch die »Donau« sagen, weil diese Wucht und der Klang viel größer sind als zum Beispiel bei Mozart oder bei der »Moldau«.

Sofia: Die »Moldau«, die fließt ein bisschen mehr als die »Donau«. Man kann sich sehr gut hineinversetzen in das, was die Moldau so sieht. Einmal findet eine Jagd entlang der Moldau statt und dann fließt sie an einer Bauernhochzeit vorbei. Am Anfang des Stückes sind es aber zuerst zwei kleine Bäche, die erst zur Moldau finden müssen. Erst danach fließt sie so richtig.

(c) Peter Adamik

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Was empfindet ihr, während ihr diese Musik spielt?

Gedeon (13, Geige): Das kommt auf die Situation an. Manchmal hört es sich besonders gut an, dann fühlt man sich auch so.

Seulgi (14, Flöte): Ich finde, der Anfang der »Moldau« wirkt bedrohlich, wegen seiner Dynamik. Aber es ist irgendwie auch schön. Ich mag den Anfang am meisten.

In den Endproben und den Aufführungen werden Sänger:innen dazukommen. Wie bereitet ihr euch auf diese Proben vor?

Pauline: Also ich höre mir diese Stücke manchmal an und freue mich dann darüber, wie es klingt, wenn man den Sänger hört.

Klara: Ich habe es mir noch nicht angehört, denn ich warte einfach ab, was der Sänger dann singt.

Gedeon: Klar, ändert der Gesang nochmal etwas, aber trotzdem erkennt man das Stück auch schon ohne Gesang.

Avalon: Wenn man in der Ersten Geige spielt, muss man sich darauf einstellen, dass man selbst die Begleitung ist und nicht die Hauptstimme. Das ist aber kein Problem, wenn man schon in Trios oder Quartetten gespielt hat.

(c) Peter Adamik

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Was ist das Besondere am Musizieren im Orchester? Gibt es Herausforderungen?

Pauline: Also bei mir ist es so: Wenn man es übt, dann verstehe ich die Musik, aber am Anfang kommt mir alles schwer vor.

Klara: Ja, eigentlich geht es mir genauso. Wenn man übt, fällt es leichter. Alleine zu Hause ist es manchmal ziemlich langweilig, aber in der Gruppe – das ist toll. Das macht dann richtig Spaß.

Pauline: Genau. Alleine hat man niemanden und muss immer alleine üben, aber dann in der Gruppe müssen es alle quasi üben, dann ist man nicht mehr alleine. Es ist einfach ein schönerer Klang.

Seid ihr nervös vor einem Auftritt?

Iounia: Zehn Minuten davor denkt man noch: »Ach ist nicht so schlimm«, und wenn der Dirigent dann sagt: »Noch drei Minuten«, dann zittert mein ganzer Körper. Da bin ich schon sehr aufgeregt.

Gedeon: Bei der Premiere war ich vorher ein bisschen aufgeregt, aber bei den anschließenden Konzerten war die Aufregung weg. Da man im Orchester spielt, ist es auch nicht so schlimm, wie wenn man alleine spielt.

David: Ich bin vorher auch ein bisschen nervös, aber wenn ich im Konzertsaal sitze, verschwindet die Aufregung.

Seulgi: Ich lenke mich ab, indem ich mit meinen Freunden nochmal die Stücke im Vorbereitungsraum spiele.

Was würdet ihr euch für das OKO wünschen?

Pauline & Klara: Wir wünschen uns mehr Orchesterfahrten. Wegen Corona war das nicht möglich.

Iounia: Dass alle so gut dabeibleiben. Und dass ich auch weiterhin mitmachen kann, weil es viel Spaß macht.

(c) Peter Adamik

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